Ein besonderer Vortrag erwartete Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 und 10: Zu Gast war Thomas Kaul, Referent bei Sharkvoice, der auf mehr als 1.800 Tauchgänge zurückblicken kann und sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für Umwelt- und Artenschutz engagiert. Mit großer Begeisterung nahm er die Schülerinnen und Schüler mit in eine faszinierende Unterwasserwelt und zeigte, dass Haie weit mehr sind als die „gefährlichen Killer“, als die sie in vielen Hollywood-Filmen oft dargestellt werden. Jedes Jahr sterben nur etwa zehn Menschen durch Haiangriffe, aber viel mehr durch Elefanten, Flusspferde und sogar Millionen von Menschen durch Insekten.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand vor allem ein Perspektivwechsel: Nicht der Mensch ist durch Haie bedroht, sondern vielmehr der Hai durch den Menschen. Thomas Kaul machte deutlich, dass Haie für das ökologische Gleichgewicht der Meere eine entscheidende Rolle spielen. Als sogenannte Schlüsselarten stehen sie an der Spitze der Nahrungskette und tragen dazu bei, dass Ökosysteme stabil bleiben. Davon profitieren nicht nur Fische und Korallenriffe, sondern letztlich auch wir Menschen, beispielsweise durch den Schutz von Küstenregionen und intakten Lebensräumen im Meer. Besonders eindrucksvoll war die Zahl, dass dem Meer jedes Jahr rund 100 Millionen Haie entnommen werden.

Darüber hinaus erfuhren die Schülerinnen und Schüler viel Wissenswertes über die erstaunlichen Fähigkeiten dieser Tiere. Haie existieren bereits seit etwa 400 Millionen Jahren und sind perfekt an ihren Lebensraum angepasst. Sie verfügen über hochentwickelte Sinne, können Bewegungen und Reize im Wasser äußerst präzise wahrnehmen und sind wahre Spezialisten ihres Lebensraums. Anhand verschiedener Arten wurde deutlich, wie vielfältig die Welt der Haie ist: Die Jugendlichen erfuhren von eher unbekannten Arten wie dem Koboldhai, dem Zwerglaternenhai oder dem Fransenteppichhai (Ehrlich!) bis hin zum gewaltigen Walhai. Wirklich erstaunt waren wir, dass Grönlandhaie bis zu 500 Jahre alt werden können!

Besonders nachdenklich machte der Teil des Vortrags, in dem es um die Gefährdung der Haie ging. Verschmutzung der Meere, industrielle Fischerei, Beifang, verlorene Netze, Longlining und der Handel mit Haiflossen setzen vielen Arten massiv zu. Thomas Kaul verdeutlichte, dass bereits ein großer Teil der Haiarten gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht ist. Damit wurde für viele Zuhörerinnen und Zuhörer klar: Wer Haie schützt, schützt zugleich ganze Ökosysteme.

Der Vortrag stieß bei den Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse und wurde als spannend, informativ und sehr eindrucksvoll wahrgenommen. Vor allem die sympathische und begeisternde Art des Referenten trug dazu bei, dass das Thema in Erinnerung bleiben wird. So war die Veranstaltung hoffentlich nicht nur eine lehrreiche Begegnung mit einem oft missverstandenen Tier, sondern auch ein wichtiger Impuls für mehr Umweltbewusstsein und Verantwortungsgefühl gegenüber unseren Meeren.

Wer mehr über Artenschutz und das Leben in unseren Meeren erfahren möchte, dem sei ein Besuch der Gemeinde- und Schulbücherei empfohlen: Dort befindet sich im Moment die Kunstinstallation „Cinquecento Medusae“ der Schweizer Künstlerin Rosanna Baledda. Dabei schweben hunderte Quallen aus Organza-Stoff filigran und anmutig durch die sonnigen Räume der Bücherei. Die Schönheit der „Tiere“ lässt einen fast vergessen, dass es in den Ozeanen auch sehr viel Unschönes gibt: Wusstet ihr zum Beispiel, dass der größte bekannte Müllstrudel, der Great Pacific Garbage Patch im Nordpazifik, 80.000 Tonnen Plastik enthält und ungefähr vier Mal so groß wie die Fläche Deutschlands ist?

Die sehenswerte Ausstellung läuft noch bis zum 8. Mai 2026.