Tolle Erfahrung in Sachen Toleranz, Offenheit, Sprachenlernen und Erweiterung des eigenen Horizonts

Nach einer unproblematischen Anreise mit Bus und Flugzeug konnten alle Schülerinnen und Schüler von ihren Gasteltern pünktlich um 18.00 Uhr in Zaragoza vor dem Colegio Alemán de Zaragozabegrüßt und abgeholt werden.

Die deutschen Schülerinnen und Schüler waren bereits sehr aufgeregt und neugierig,  lachten viel und freuten sich schon. Nach der recht langen Anreise konnten sich alle - Gasteltern, Austauschpartner und Gäste - in ihrem jeweiligen Zuhause abends in Ruhe kennen lernen.

Am 13.03. erwartete die Deutschen ein Besuch und eine Führung im Goya-Museum im Zentrum von Zaragoza, wo eine ganze Etage den Radierungen des Meisters gewidmet ist. Goya verarbeitete in seinen Radierungen Themen wie die  politische Situation Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die soziale Misere der Menschen, den spanischen Unabhängigkeitskrieg und seine Folgen sowie Traumbilder, die mit der Realität vermischt werden. Nach der fachkundigen Führung, die diese Phasen von 1799 bis 1864 aufgriff, konnten die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden und im Museum unter Anleitung Drucke anfertigen. Aus Deutschland mitgebrachte Ausdrucke von beispielsweise Gebäuden oder der Silhouette Zaragozas wurden mit Bleistift über eine Blaupause auf Aluminiumplatten übertragen (Goya selbst verwendete Kupfer, was hier jedoch zu teuer gewesen wäre). Anschließend ritzten die Schülerinnen und Schüler diese Bleistiftkonturen in ihre Aluminiumplatten unter einiger Anstrengung ein. Es folgte eine Säuberung der Platten mit Alkohol, um Fingerabdrücke oder sonstige Fettspuren zu entfernen. Der nächste Schritt war einfach: Mit Tüchern wurde auf die Platte die schwarze Farbe aufgetragen, bis sie gleichmäßig verteilt war. Nun wurde ein spezielles Papier mit wenig Holzanteil auf die Aluminiumplatte positioniert und beides in die Druckpresse gelegt. Die Druckpresse musste sehr gleichmäßig durch Drehen an einem Rad bewegt werden, damit das Papier die Farbe von der Aluminiumplatte annahm. Die Schülerinnen und Schüler waren von ihren Ergebnissen begeistert, zumal diese Produkte als ganz besonderes Souvenir aus Zaragoza stolz nach Hause getragen werden konnten. Auf diese Weise lernten sie, wie kunstfertig Francisco Goya doch arbeitete und warum seine Drucke etwas Besonderes sind.

Anschließend ging es zum Mittagessen an die deutsche Schule und um 15.00 Uhr gingen die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen aufgeteilt für zwei Stunden in den Unterricht mit, um dort mitzuarbeiten oder zuzuhören und Erfahrungen zu sammeln.

Der erste Tag war anregend und aufregend zugleich und für alle Deutschen eine tolle neue Erfahrung.

 

Am 14.03. erlebten alle eine Stadtführung mit Karin, einer Deutschen, die schon seit 30 Jahren in Zaragoza lebt und sich bestens auskennt. So ging es durch den „Tubo“, den Kern der Altstadt, wo kleine Lädchen, Friseure, Restaurants und Bistros in engen Gassen mit schönen, herausgeputzten Häusern wetteifern. Renaissancebauten in der typischen Ziegelbauweise der Region befinden sich meist auf großen Plätzen und beherbergen öffentliche Institutionen wie die Börse oder – allerdings als Reproduktion eines Renaissancegebäudes - das Rathaus.

Wunderschöne Fassaden von Kirchen und auffällige, interessant gestaltete Kirchtürme bieten vielfältige Fotomotive. Krönung der Kirchen ist die barocke, 130 Meter lange  Basilica del Pilarim Zentrum der Altstadt. Im Inneren ziert ein berühmtes Deckengemälde von Francisco Goya eine der elf Kuppeln, wunderschön gestaltete Altäre, teils aus Alabaster, und bunte Fenster sowie die große Orgel laden zum Verweilen und Staunen ein. 

Römische Architektur findet sich in Form eines Theaters, das einst 6000 Zuschauer fassen konnte und im 1. Jahrhundert nach Christus gegründet wurde. Daneben gibt es  Reste der einstigen Stadtmauer. Dem römischen Herrscher Cesar Augustus verdankt die Stadt ihren Namen, Zaragoza wurde zwischen 24 und 12 vor Christus gegründet.

In Zaragoza wie in ganz Aragón gibt es viele Kirchen, die ursprünglich als Moschee gebaut oder als Kirchenbau beauftragt wurden und von den in Spanien verbliebenen Mauren im Mudéjar-Stil  (12.-16.Jh) errichtet wurden: Filigrane Konstruktionen, bunte Kacheln und Fassaden, in denen sich das Licht bricht, sowie aufwändige Ornamente zieren den Mudéjar-Stil. Diese Art Bauwerke in der Region Aragón gehören zum Weltkulturerbe.  All dies gab es für die Schülerinnen und Schüler bei diesem   Stadtrundgang als Neues und Interessantes zu entdecken. Begleitet wurden sie dabei  von dem typischen Wind, „Cierzo“ genannt, der den Himmel blau erstrahlen ließ.

Ein ganz typisches Bauwerk im Mudéjar-Stil, der Elemente der christlichen und islamischen Tradition vereint, konnten die Schülerinnen und Schüler am 15.03.besuchen: die Aljafería, ein ehemaliger maurischer Palast in Zaragoza. Von den Mauren im 11. Jahrhundert errichtet und bis ins 20. Jahrhundert erweitert und verändert, beherbergt die Aljafería heute das aragonesische Parlament. Die rekonstruierte maurische Festungsmauer ist ebenso beeindruckend wie das wunderschön gestaltete Innere, dessen Arkaden, Galerien und Deckengestaltungen islamische und christliche Elemente aufweisen. Den Schülerinnen und Schülern gefiel besonders der mittig angelegte Innenhof „Santa Isabel“, der mit Orangenbäumchen geschmückt ist und zum Verweilen einlädt.

Das Wochenende verbrachten die Schülerinnen und Schüler in ihren Familien, mit denen sie beispielsweise gegrillt haben, Ausflüge in die Region gemacht oder weitere Familienangehörige besucht haben. Einige waren im Schwimmbad oder in der Trampolinhalle oder unternahmen Exkursionen per Rad. Alle Schülerinnen und Schüler berichteten von einem schönen und interessanten Wochenende, bei dem sie die Gastfamilien noch näher kennen gelernt haben.

Am 18.03. konnten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen das historische Zentrum der Stadt, den „casco histórico“, per „Goethe-App“, vom Goethe-Institut erstellt, erkunden. Dabei galt es, sprachlich Zusammenhänge zwischen spanischen und deutschen Wörtern zu finden, Spuren von deutschen Hinweisen zu finden oder einfach nur etwas rätselhaft formulierte Aufgaben zu lösen, was allen viel Spaß machte und zu neuen Erkenntnissen durch Entdeckungen führte. Daneben gab es auch Freizeit, die z.B. zum Churros-  oder Eis essen genutzt wurde. Churros ist ein Spritzgebäck, das in heiße dickflüssige Schokolade getaucht wird und ausgesprochen lecker schmeckt.

Nach dem Mittagsessen gingen die Deutschen wieder in den Unterricht im Colegio Alemán.

Der nächste Taggalt einer Exkursion zum Palacio Larrinaga. Dieser wunderschöne Stadtpalast liegt direkt in Zaragoza und wurde ursprünglich von Miguel Larrinaga in Auftrag gegeben und 1908 eingeweiht. Um ein Heim für sich und seine Familie zu schaffen, scheute der Unternehmer, der auf dem Seeweg handelte und eigentlich in Liverpool lebte, keine Kosten. Entsprechend aufwändig ist der Palast im Inneren gestaltet. Es kam jedoch nie zum Einzug, weil die Ehefrau des Unternehmers verstarb und dieser dort nicht ohne sie  wohnen wollte. Der Palast diente später verschiedenen Funktionen, beispielsweise als Schule. Nach einer Führung im Palacio Larrinaga wurden die Schülerinnen und Schüler dort aktiv, denn sie zeichneten ein Modell aus Blumenmotiven ab, übertrugen es auf Folie, um dann mit Tempera-Farben ein Produkt zu erhalten, das an die Fensterbilder erinnert, wie sie im Palast zu finden sind. Dies verlangte sauberes und konzentriertes Arbeiten, weil die Farben nicht vermischt werden durften. Den Schülerinnen und Schülern gelang dies gut, und so nahmen sie ein zweites selbst hergestelltes Souvenir mit nach Hause. Nach dem Mittagsessen im Colegio Alemán gingen die deutschen und spanischen Schülerinnen und Schüler in die Schulbibliothek, um an einem Interview zu arbeiten, bei dem die Ausdrücke von dem Austausch verarbeitet wurden.

 

Am 20.03. ging es bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein gemeinsam mit den spanischen Partnern per Bus  in das etwa eine Stunde entfernt liegende Alquézar.

Alquézar ist eine kleine mittelalterliche Stadt, die malerisch  auf einer felsigen Anhöhe in den südlichen Ausläufern der Pyrenäen am Ausgang einer Schlucht des Río Verde liegt, und zwar auf etwa 660 Metern Höhe. Der Name kommt aus dem Arabischen und bedeutet “Festung”. Die auf der Anhöhe liegende Festung wurde von den Mauren im 9. Jahrhundert errichtet und später von den Christen zurückerobert. Die Schülerinnen und Schüler liefen einen weiten und herausfordernden Wanderweg, die sogenannte “Ruta de las Pasarelas” entlang bis zum Fluss Vero. Auf der von zwei ortskundigen Guides begleitetenden Führung erfuhr die Gruppe viel über die Fauna, z.B. über drei verschiedene Arten von Geiern, über die Flora- beispielsweise die Olivenbäume, deren Früchte hier einst vermarktet wurden. Bergab ging es zur Schlucht des Río Verde, der sich malerisch und wild durch die Landschaft schlängelt. Über Metallgerüste an Berghängen entlang liefen die Schülerinnen und Schüler so hoch über dem Fluss entlang, entdeckten einen Wasserfall und Höhlen. Der Weg ist landschaftlich sehr beeindruckend, verlangt aber anschließend einen anstrengenden Aufstieg zurück zum Ausgangspunkt. Die zweieinhalbstündige Wanderungen gefiel den Schülerinnen und Schülern jedoch sehr, weil die Landschaft und der Weg wirklich etwas Besonders sind.

 

Der letzte Tag am 21.03. führte die Schülerinnen und Schüler in die sogenannten “Galachos”, eine naturgeschützte Auenlandschaft  vor den Toren Zaragozas. Mit einem als Zug aufgemachten Fahrzeug auf Rädern wurden die etwa acht Kilometer zu dieser Landschaft zurückgelegt. Die Schülerinnen und Schüler sangen fröhlich, als sie den kleinen Ort Juslibol durchquerten, der bekannt ist für seine Häuser, die teils in die Berge hineingebaut wurden, aber dennoch allen Komfort eines Hauses bieten. Unser Guide Vicky, die sich in Botanik und in dem Naturreservat sehr gut auskennt, erklärte der Gruppe, dass die Felsen aus Gips bestehen und früher von den dortigen Einwohnern bearbeitet wurden. Heute steht die Landschaft mit toten Flussarmen, einst durch den Río Ebro gebildet und seit langem abgeschnitten von diesem Fluss, unter Naturschutz und weist sensible Ökosysteme auf. In den teils künstlich angelegten Lagunen kann man viele verschiedene Vögel hören und beobachten, wie beispielsweide den Uhu. Von den Schülerinnen und Schülern wurde Sportlichkeit verlangt, weil man viele Stufen auf die Felsen hinaufsteigen musste, um auf die Berghöhen zu gelangen. Die Mühe wurde jedoch mit einem atemberaubenden Ausblick auf das Naturschutzgebiet mit seinen Bäumen, Lagunen und Wegen belohnt. Bei klarem Wetter konnten die Schülerinnen und Schüler bis nach Zaragoza sehen und in der Ferne schneebedeckte Berge erkennen. Welch schöne Fotomotive!

Unser Guide Vicky erklärte die Pflanzen wie Ginster, Rosmarin und Thymian sowie verschiedene kleine Blumen: Die gesamte Gegend duftete nach den Pflanzen, Schmetterlinge tanzten im Sonnenlicht und entlockten der Gruppe ein Staunen.

Bergab zu steigen war eine weitere Herausforderung, die teils in Kletterpartien mündete. Müde und erschöpft kamen alle in den Auenwäldern an und ein schöner Spaziergang an den Lagunen und unter den Bäumen entlang, von Vogelgezwitscher begleitet, entschädigte die Gruppe von den Mühen.

In der Schule angekommen, erwartete die deutschen Schülerinnen und Schüler eine Überraschung: Kinder aus der 3. Klasse überreichten jedem unserer Schülerinnen und Schüler einen handgeschriebenen und bunt gestalteten Brief. Eine wunderschöne Aktion, bei der die spanischen Drittklässler unsere Achtklässler kennen lernen konnten und auf deren schriftliche Antworten sie nun warten.

Der Austausch nach Zaragoza war für alle eine tolle Erfahrung in Sachen Gastfreundlichkeit, Toleranz, Offenheit, internationale Freundschaft, Sprachenlernen und Erweiterung des eigenen Horizonts - auf der spanischen wie auf der deutschen Seite! Die Vorfreude auf den Gegenbesuch der Spanier in Lohfelden lässt das Warten auf das Wiedersehen ein wenig verkürzen…  

Arbeiten in der Bibliothek

Bei der Erstellung der Folienbilder

Basilica del Pilar

Fahrt mit dem Räderzug zu den Galachos

Galachos - bis auf die Berge hinauf

Im Goya-Museum

In der Schlucht von Alquézar

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