Tiergestützte Pädagogik an der Söhre-Schule

1. Vorwort/ Einleitung

 "Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund."

(Hildegard von Bingen)

Jeder, der mit einem Haustier aufwachsen durfte, weiß, dass die Anwesenheit eines treuen tierischen Partners und nicht-wertenden Zuhörers Balsam für die Seele des Menschen ist.

Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Studien, die die positiven Auswirkungen der Anwesenheit von Tieren auf das Wohlbefinden der Menschen belegen.[1]So kann ein Hund beispielsweise dazu beitragen, soziale Kontakte zu knüpfen und das Selbstwertgefühl zu stärken. Eine Reduktion aggressiven Verhaltens und eine Verbesserung der Beziehungsfähigkeit ist ebenfalls erwiesen.

Auch an der Söhre-Schule möchten wir die positiven Effkte durch den systematischen Einsatz unseres ausgebildeten Pädagogik-Begleithund-Teams[2](Frau Reiff und Hund Schlumpf) nutzen. Nachdem der Schulhund-Einsatz seit Februar 2018 in einer freiwilligen AG erprobt wurde, hat sich die Gesamtkonferenz und die Schulkonferenz der Söhre-Schule im September/Oktober 2018 für die Ausweitung des Schulhund-Einsatzes auf den Regelunterricht ausgesprochen. Wir erwarten dadurch nicht nur eine Stärkung des sozialen Miteinanders, sondern auch eine Verbesserung der Lernatmosphäre sowie der individuellen Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler.

Dabei steht selbstverständlich auch das Wohlbefinden von Schlumpf und die tiergerechte Auslastung und Erholung von Schlumpf im Fokus.

Schulhund Schlumpf ist stets aufgeschlossen und freundlich zu Menschen, ist gehorsam und absolut verträglich mit Artgenossen. Die Ausbildung zum Pädagogik-Begleithund-Team beendete er zusammen mit Frau Reiff im Sommer 2018.

Schlumpf wird regelmäßig tierärztlich untersucht und hat keinen Zugang zur Schulküche oder Mensa. In den Klassen, in denen Schlumpf eingesetzt wird, werden Hygiene-Regeln erarbeitet und insbesondere an das Händewaschen erinnert.

Der direkte Kontakt mit Schlumpf basiert auf Freiwilligkeit.

Das Wohlbefinden aller Beteiligten steht stets im Vordergrund.

 

2. Warum eignen sich Hunde für die pädagogische Arbeit?[3]

Hunde gelten als verlässliche und treue Partner. Sie sind geduldige und nicht-wertende Zuhörer und begegnen jedem Menschen vorurteilsfrei – unabhängig von der Kleidung, dem Aussehen oder beispielsweise den schulischen Leistungen. Hunde vermitteln dadurch das Gefühl, akzeptiert und angenommen zu sein. Sie sind Anknüpfungspunkte für Gespräche und bringen Spaß, Freude und Unbefangenheit.

Der Umgang mit Hunden fördert:

  • das Selbstwertgefühl
  • das Sozialverhalten

▪    Empathie

▪    Rücksichtnahme,

▪    Akzeptanz von Grenzen

▪    Zurückstellen eigener Bedürfnisse

▪    Aufbau von Frustrationstoleranz

  • das Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein
  • die nonverbale Kommunikationsfähigkeit
  • die Beziehungsfähigkeit
  • eine Strukturierung des Tagesablaufs
  • die motorische und die kognitive Entwicklung

 Eine positive Hund-Mensch-Beziehung ermöglicht:

  • die Übernahme von Verantwortung für ein anderes Lebewesen
  • das Gefühl, gebraucht zu werden
  • die Senkung des Blutdrucks
  • ein Gefühl von Entspannung
  • die Nähe zur Natur
  • Körperkontakt, Berührungen und Zärtlichkeit
  • die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytozin (bei Mensch und Hund)

 

3. Erwiesene Effekte und mögliche Förderschwerpunkte durch die pädagogische Arbeit mit Hunden:[4]

a) AG "Hundeführerschein" mit Schlumpf

In der freiwilligen Nachmittags-AG wird mit maximal 12 Schülerinnen und Schülern intensiv mit Schlumpf gearbeitet. Für die Schülerinnen und Schüler geht es dabei in erster Linie um das Erwerben von Fachwissen zum Wesen, zur Haltung, zur Erziehung und zur Pflege von Hunden. Auch das Erarbeiten von Tricks und Kunststücken sowie das Einstudieren einer Vorführung und deren Präsentation vor einem größeren Publikum stehen im Vordergrund.

Bezogen auf den Gesamt-Gruppenverband, wie auch auf verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler zeigen sich außerdem durch die intensive Arbeit mit dem Hund:

  • eine deutliche Reduktion aggressiver Verhaltensweisen
  • die Verbesserung des sozialen Zusammenhalts
  • die Erhöhung der gegenseitigen Rücksichtnahme
  • eine Steigerung der Aufmerksamkeit
  • die Erweiterung der kommunikativen und interaktiven Möglichkeiten und Fähigkeiten
  • eine Verbesserung der Bereitschaft und der Fähigkeit, Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse zu artikulieren
  • die Förderung des Verantwortungsbewusstseins
  • die Stärkung der Überzeugung von der Wirksamkeit des eigenen Handelns

b) Schlumpf im Regelunterricht

Im Regelunterricht steht selbstverständlich der Fachunterricht im Vordergrund. Die Schüler profitieren hier hauptsächlich von der bloßen Anwesenheit von Schlumpf. Wesentliche Effekte der längerfristigen bloßen Anwesenheit eines Hundes in einer Klasse sind:

  • Die Aufmerksamkeit für das unterrichtliche Geschehen wird verbessert.
  • Das Arbeitsklima wird positiv verändert.
  • Der Geräusch- bzw. Lautstärkepegel wird reduziert.
  • Das Aggressionspotential nimmt ab.
  • Die Interaktionen in der Klasse werden intensiver und freundlicher. Es zeigt sich eine ausgleichend-harmonisierende Wirkung des Tieres.

 

4. Hygiene-Leitlinien

Auch das Robert Koch Institut spricht sich in der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (Heft 19)für den Einsatz von Heimtieren in z.B. Schulen und Pflegeeinrichtungen aus. Denn der positive Einfluss der Heimtierhaltung auf das Wohlbefinden der Menschen übersteige das Risiko einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung. Eine Übertragung von Krankheiten (von Hund auf Menschen) ist bei Beachtung einiger Hygiene-Regeln somit sehr unwahrscheinlich.


Hygienische Leitlinien für die Söhre-Schule:[5]

  • Vollständige Impfung des Tieres gemäß aktuellem, ortsbezogenen Impfkalender
  • Prophylaxe bzw. zeitnahes Entfernen von Ektoparasiten (Zecken, Flöhe, Läuse, Milben)
  • Regelmäßiger Tierarztbesuch
  • Regelmäßige Entfernung von Endoparasiten (Würmer)
  • Regelmäßige Reinigung des Liegeplatzes
  • Händewaschen nach dem Hundekontakt
  • Kein „Abschlecken lassen“ im Gesicht oder Küssen des Hundes auf die Nase
  • Dokumentation der Hygiene-Maßnahmen (Gesundheitspass, Hygiene-Plan im Klassenzimmer)

 

5. Der Einsatz des "Pädagogik-Begleithund-Teams" an der Söhre-Schule

 a) Rahmenbedingungen:

  • eine anerkannte Ausbildung zum Pädagogikbegleithundteam bzw. die Bescheinigung über die Ausbildung zum Pädagogikbegleithundteam
  • Einverständnis der Schulleitung
  • alle Beteiligten (Vorgesetzte, Kollegen, Schulpflegschaft, hauswirtschaftliches Personal, Hausmeister, Schüler, Eltern...) informiert und im Wesentlichen mit dem Einsatz einverstanden
  • schriftliche Einverständniserklärung der Elternliegt vor
  • Abklären von Allergien, Ängsten oder Phobien
  • Information von Tierhalterhaftpflicht, Berufshaftpflicht sowie Gemeindeunfallversicherung
  • Hund ist bei guter Gesundheit und hat einen angemessenen Ausgleich von der Arbeit
  • klare Regeln für den Umgang mit dem Hund (sowohl für Schülerinnenund Schüler als auch für Lehrerinnen und Lehrer, Personal, Besucherinnen und Besucher, usw.)
  • bebilderte Aushänge über die Arbeit des Hundes
  • offensichtliche Kennzeichnung von Räumen, die vom Hund genutzt werden
  • kein Zugang der Hundes zur Schulküche oder anderen Essensbereichen
  • Evaluation des Einsatzes  des Pädagogik-Begleithund-Teams

b) Im Schulgebäude...

  • ist der Hund stets angeleint.
  • hat der Hund einen gesicherten (und für Schüler nicht zugänglichen) Ruheplatz.
  • basiert der Kontakt mit dem Hund auf (beidseitiger) Freiwilligkeit.
  • wird der Hund auf den Gängen nicht bedrängt.
  • wird der Hund nicht unerlaubt gefüttert.
  • sind die Räume, die vom Hund betreten werden, für alle ersichtlich gekennzeichnet (Foto an Tür, bzw. Türfenster).

c) Im Klassenzimmer...

  • werden die Hygiene-Maßnahmen dokumentiert.
  • hat der Hund immer frisches Wasser.
  • gibt es einen Rückzugsort für den Hund (Decke, Box).
  • ist der Hund nie mit einem oder mehreren Schülern alleine.
  • basiert der Kontakt mit dem Hund auf Freiwilligkeit. Wenn Schülerinnen und SchülerAngst vor Schlumpf haben, kommen sie nicht mit ihm in Kontakt.
  • bewegt sich der Hund nur frei, wenn alle Schülerinnen und Schüler dies ausdrücklich wünschen.
  • besteht die Möglichkeit,sich die Hände zu waschen oder zu desinfizieren.

 

6. Literatur

  • Ulrich Gebhard: Kind und Natur. Die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung, 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden 2009.
  • Monika A. Vernooij/ Silke Schneider: Handbuch der Tiergestützten Intervention. Grundlagen, Konzepte, Praxisfelder, 3., korrigierte und aktualisierte Auflage, Wiebelsheim 2013.
  • Robert Koch-Institut (Hrsg.): Heimtierhaltung – Chancen und Risiken für die Gesundheit, in: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 19, Berlin 2003, [ISBN 3-89606-148-8].
  • Berufsverband Therapiebegleithunde Deutschland e.V.: Leitlinien für Pädagogik-/Therapiebegleithunde im beruflichen Einsatz, www.tbdev.dehttp://www.tbdev.de/de/leitlinien/in-der-paedagogik(Stand: 28.06.2018)
  • Münsteraner Institut für Therapeutische Fortbildung und Tiergestützte Therapie: Leitlinien für den Einsatz von Pädagogik-Begleithunden in der Schule, www.mittt.dehttp://www.mittt.de/de/leitlinien/schule(Stand: 28.06.2018)
  • MITTT-Ausbildungs-Skript: Steinfurter Pädagogik-/Therapiebegleithundmethode, Block I, II, III (Teil I und II) 2014.

 

[1]Siehe dazu Vernooji und Gebhard.

[2]Ausbildung beim MITTT, anerkannt durch den TBD eV..

[3]Siehe dazu Vernooji und Gebhard.

[4]Siehe dazu Vernooji und Gebhard.

[5]In Anlehnung an die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes, sowie die Richtlinien des TBD eV..